girocard oder Debitkarte? Warum das nicht dasselbe ist
Die Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen — auch von Banken. Für den Händler sind es zwei verschiedene Zahlungssysteme mit unterschiedlichen Kosten und unterschiedlicher Akzeptanz.
„Debitkarte“ ist die Funktionsweise — der Betrag wird direkt vom Girokonto abgebucht. „girocard“ ist das Zahlungssystem, über das die Zahlung läuft: das gemeinsame Verfahren der deutschen Banken und Sparkassen, früher als „EC-Karte“ bekannt. Eine Debitkarte kann über girocard laufen — oder über Visa Debit beziehungsweise Debit Mastercard. Für den Händler ist das ein erheblicher Kostenunterschied, und für die Akzeptanz ein noch größerer.
girocard
- Betreiber
- Deutsche Kreditwirtschaft
- Verbreitung
- fast nur Deutschland
- Kosten für den Händler
- historisch sehr niedrig
- Im Ausland
- nur über Co-Badge (Maestro, V-Pay)
- Online
- praktisch nicht einsetzbar
- Unterstützt von
- 13 von 105 Anbietern
Visa Debit / Debit Mastercard
- Betreiber
- Visa beziehungsweise Mastercard
- Verbreitung
- weltweit
- Kosten für den Händler
- höher als girocard
- Im Ausland
- überall, wo Visa oder Mastercard akzeptiert wird
- Online
- ja, mit Kartennummer und CVC
- Unterstützt von
- praktisch allen Anbietern
Warum das für den Händler Geld bedeutet
Viele Bezahllösungen werben mit einem niedrigen Satz „für Debitkarten“ — und meinen damit inländische Debitkarten, was je nach Anbieter girocard einschließt oder eben nicht. Wo der Anbieter nur über das Co-Badge abrechnet, läuft die Zahlung technisch nicht über girocard, sondern über Visa Debit oder Debit Mastercard — mit den entsprechenden Sätzen.
Nexi sagt das für sein SoftPOS-Produkt ausdrücklich: girocard wird nur mit Co-Badge akzeptiert. SumUp akzeptiert girocard seit dem 19. August 2025 auch ohne Co-Badge, ebenso die Sparkassen-Lösung S-POS auf Basis der Rubean-Technik. Bei Stripe, Mollie und Zettle Tap to Pay ist es für Deutschland nicht veröffentlicht — und was nicht veröffentlicht ist, tragen wir nicht als Ja ein.
Das Problem mit den neuen Karten
Seit dem Ende von Maestro im Juli 2023 geben immer mehr Banken Karten aus, die kein girocard mehr tragen, sondern nur noch Visa Debit oder Debit Mastercard. Für Händler heißt das zweierlei: Der Anteil der klassischen girocard-Zahlungen sinkt, und der durchschnittliche Gebührensatz steigt — ohne dass sich am eigenen Vertrag etwas geändert hat. Wer seinen Kartenmix seit zwei Jahren nicht geprüft hat, rechnet vermutlich mit veralteten Annahmen.
Woran erkennt man, was man vor sich hat?
- Steht das girocard-Logo (blau-rotes Doppel-G) auf der Karte, läuft sie über girocard.
- Steht nur Visa Debit oder Debit Mastercard darauf, nicht.
- Stehen beide darauf, entscheidet das Terminal — und damit die Voreinstellung Ihres Anbieters.
Häufige Fragen
Ist die EC-Karte dasselbe wie die girocard?
Der Begriff „EC-Karte“ ist seit 2007 offiziell abgeschafft; das Nachfolgesystem heißt girocard. Umgangssprachlich meint „EC-Karte“ fast immer eine girocard, aber viele neue Bankkarten tragen gar kein girocard mehr.
Warum ist girocard für Händler günstiger?
Weil die Entgelte im girocard-System zwischen den deutschen Banken ausgehandelt werden und historisch niedriger liegen als die Interchange-Sätze der internationalen Kartensysteme. Der Unterschied kann je nach Anbieter mehr als einen Prozentpunkt betragen.
Muss ich als Händler girocard akzeptieren?
Nein. Es gibt keine Pflicht, überhaupt Karten anzunehmen. Wirtschaftlich ist es in Deutschland aber schwer, darauf zu verzichten. Die Rechtslage steht unter Kartenzahlung Pflicht.
Kann ich einen Aufschlag für die teurere Kartenart verlangen?
Bei den gängigen Verbraucherkarten nicht: § 270a BGB macht eine solche Vereinbarung unwirksam. Für Firmenkarten und einige Drei-Parteien-Systeme gilt das nicht — dort ist ein Aufschlag grundsätzlich möglich.
Welche Anbieter unterstützen girocard?
13 der 105 Anbieter in unserer Datenbank. Der Filter „nur girocard-fähig“ im Anbieter-Vergleich zeigt sie. Achten Sie auf den Unterschied zwischen nativer girocard und Akzeptanz nur über Co-Badge.