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Was ist PIN on Glass?

Auch bekannt als: PIN on Mobile, softwarebasierte PIN-Eingabe, PIN-Eingabe auf dem Display, Software-based PIN Entry

Definition

PIN on Glass bezeichnet die Eingabe der Karten-PIN auf dem Touchscreen eines handelsüblichen Smartphones oder Tablets statt auf einem physischen Tastenfeld. Zugelassen wurde das Verfahren durch den PCI-Standard SPoC vom 24. Januar 2018, den der Standard MPoC seit dem 16. November 2022 fortführt. Abgesichert wird es durch Verschlüsselung, wechselnde Tastenpositionen und laufende Prüfung der Geräteumgebung.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 3 Kategorie: Technik & Übertragung

Warum die PIN auf Glas lange verboten war

Jahrzehntelang galt die Regel, dass eine Karten-PIN nur auf einem physisch geschützten Tastenfeld eingegeben werden darf. Der Grund liegt in der Angriffsfläche eines Universalgeräts: Ein Touchscreen wird vom Betriebssystem verwaltet, andere Apps können sich darüberlegen, Bildschirminhalte lassen sich aufzeichnen, und Bedienungshilfen greifen Eingaben ab. Ein Zahlungsterminal kennt diese Probleme nicht, weil auf ihm keine fremde Software läuft. Der PCI-Standard SPoC vom 24. Januar 2018 öffnete diese Tür erstmals kontrolliert — allerdings nur in Kombination mit einem zertifizierten separaten Kartenleser. Erst MPoC erlaubte, Kartenlesung und PIN-Eingabe gemeinsam auf dem Mobilgerät abzubilden.

Welche Schutzmechanismen greifen

Die Absicherung erfolgt auf mehreren Ebenen. Die PIN wird unmittelbar bei der Eingabe verschlüsselt und nie im Klartext auf dem Gerät gespeichert. Das Zifferfeld erscheint an einer zufällig bestimmten Bildschirmposition, damit sich die Eingabe nicht aus Fingerbewegungen oder Wischspuren rekonstruieren lässt. Parallel prüft die Lösung die Umgebung: Laufende Bildschirmaufzeichnung, eingeblendete Overlay-Fenster fremder Apps, aktive Bedienungshilfen oder eingeschaltete Entwickleroptionen führen zum Abbruch der Erfassung. Screenshot-Versuche brechen den Vorgang ebenfalls ab. Fällt die Prüfung negativ aus, meldet die Software einen Umgebungsfehler, statt die Eingabe unter unsicheren Bedingungen zuzulassen.

Wann die PIN im Alltag überhaupt verlangt wird

Für kontaktlose Zahlungen an der Verkaufsstelle erlaubt Artikel 11 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 einen Verzicht auf starke Kundenauthentifizierung, wenn der Einzelbetrag 50 Euro nicht übersteigt. Zusätzlich greift die Ausnahme nur, solange seit der letzten starken Authentifizierung höchstens 150 Euro kumuliert oder höchstens fünf aufeinanderfolgende kontaktlose Zahlungen erfolgt sind. Danach verlangt die Karte eine PIN, unabhängig vom Betrag. Für Händler heißt das: Auch bei lauter Kleinbeträgen taucht in regelmäßigen Abständen eine PIN-Abfrage auf. Bei Wallet-Zahlungen entfällt sie meist, weil die Authentifizierung bereits auf dem Kundengerät per Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder Gerätecode stattgefunden hat.

Barrierefreiheit und Bedienung

Ein Touchscreen bietet keine ertastbaren Tasten, was für sehbehinderte Kunden eine echte Hürde ist. Die Plattformbetreiber haben dafür eigene Bedienhilfen vorgesehen: Apple weist für die girocard-Annahme über Tap to Pay on iPhone ausdrücklich auf Optionen für barrierefreie Nutzung bei der PIN-Eingabe hin. Zugleich entsteht ein Zielkonflikt, weil allgemeine Bedienungshilfen des Betriebssystems die PIN-Erfassung blockieren. Die Lösungen verwenden deshalb eigene, in die geschützte Eingabe integrierte Hilfen statt der Systemfunktionen. Händler sollten diesen Ablauf einmal durchspielen, bevor sie ihn zum ersten Mal vor Kundschaft anwenden.

Beispiel aus der Praxis

Ein Physiotherapeut in Hannover rechnet eine Behandlungsserie über 180 Euro per SoftPOS ab. Weil der Betrag über 50 Euro liegt, verlangt die Karte eine PIN. Auf dem Tablet erscheint ein Zifferfeld an einer anderen Stelle als beim letzten Mal. Der Patient tippt die PIN ein, das Gerät verschlüsselt sie sofort — gespeichert wird sie zu keinem Zeitpunkt.

Abgrenzung — womit PIN on Glass verwechselt wird

PIN on Glass wird häufig mit einer Unterschrift auf dem Display gleichgesetzt. Das Unterschriftsverfahren war ein reines Lastschriftverfahren ohne Prüfung der Karte und ist in Deutschland praktisch verschwunden. PIN on Glass ist das Gegenteil: eine vollwertige, verschlüsselte Kundenverifikation nach EMV-Regeln, die dieselbe Beweiskraft hat wie die Eingabe an einem klassischen Terminal-Tastenfeld.

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Häufige Fragen

Ist die PIN-Eingabe auf dem Händler-Smartphone rechtlich zulässig?

Ja. Die Kartensysteme akzeptieren sie, sofern die Lösung nach dem PCI-Standard MPoC attestiert ist; dessen Vorläufer SPoC öffnete den Weg bereits am 24. Januar 2018. Die Attestierung ist der entscheidende Punkt: Ohne gültige Listung darf eine Lösung keine PIN auf einem handelsüblichen Gerät entgegennehmen.

Ab welchem Betrag wird die PIN verlangt?

Nach Artikel 11 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 kann bis 50 Euro Einzelbetrag auf starke Kundenauthentifizierung verzichtet werden. Zusätzlich gilt eine Obergrenze von 150 Euro kumuliert oder fünf aufeinanderfolgenden kontaktlosen Zahlungen seit der letzten starken Authentifizierung. Danach fragt die Karte auch bei Kleinbeträgen wieder nach der PIN.

Warum erscheint das Zifferfeld immer an einer anderen Stelle?

Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, kein Fehler. Erschiene das Tastenfeld immer an derselben Position, ließe sich die PIN aus Fingerbewegungen, Wischspuren oder aufgezeichneten Bewegungsdaten rekonstruieren. Durch die zufällige Platzierung verlieren solche Beobachtungen ihren Wert. Weisen Sie Kunden kurz darauf hin, sonst wirkt die wandernde Tastatur irritierend.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „PIN on Glass". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/pin-on-glass/

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