deenfrespt
Quellen geprüftKarten & Wallets

Was ist Kontaktlos-Limit?

Auch bekannt als: 50-Euro-Grenze, PIN-Grenze, Kontaktlosgrenze, NFC-Limit

Definition

Kontaktlos-Limit bezeichnet den Betrag, bis zu dem eine kontaktlose Kartenzahlung ohne PIN-Eingabe möglich ist. In Deutschland liegt er bei 50 Euro. Rechtsgrundlage ist Artikel 11 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389: Neben der Einzelbetragsgrenze gelten kumulative Grenzen von 150 Euro seit der letzten starken Kundenauthentifizierung oder maximal fünf aufeinanderfolgenden Zahlungen.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 3 Kategorie: Karten & Wallets

Woher das 50-Euro-Limit kommt

Die PSD2 verlangt für elektronische Zahlungen grundsätzlich eine starke Kundenauthentifizierung aus zwei unabhängigen Elementen. Für kontaktlose Zahlungen an der Verkaufsstelle lässt Artikel 11 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 eine Ausnahme zu: Der Einzelbetrag darf nicht über 50 Euro hinausgehen. Die Verordnung gilt seit dem 14. September 2019. In Deutschland lag das girocard-Limit anfangs bei 25 Euro; die Deutsche Kreditwirtschaft hob es im Frühjahr 2020 während der Corona-Pandemie auf die zulässigen 50 Euro an, um Kontakte an der Kasse zu reduzieren. Das Limit gilt einheitlich für girocard, Kreditkarten und kontaktlose Debitkarten.

Die kumulativen Grenzen

Der oft übersehene Teil der Regelung sind die Zähler. Nach Artikel 11 dürfen die seit der letzten starken Kundenauthentifizierung angefallenen kontaktlosen Zahlungen zusammengenommen 150 Euro nicht überschreiten; alternativ dürfen höchstens fünf aufeinanderfolgende kontaktlose Vorgänge ohne Authentifizierung stattfinden. Wird eine dieser Schwellen erreicht, verlangt die nächste Zahlung eine PIN — auch dann, wenn der Betrag weit unter 50 Euro liegt. Der Zähler wird auf der Karte beziehungsweise beim Kartenherausgeber geführt, nicht beim Händler. Deshalb kann eine PIN-Abfrage beim Kauf eines Kaffees für 3,20 Euro auftreten, ohne dass der Händler etwas falsch gemacht hat.

Warum bei Wallet-Zahlungen kein Limit greift

Zahlt jemand mit Apple Pay, Google Pay oder einer Banking-App, hat die starke Kundenauthentifizierung bereits auf dem Gerät stattgefunden — durch Besitz des Geräts und Freigabe per Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder Gerätecode. Damit sind die Anforderungen der PSD2 erfüllt, und die Ausnahmeregelung des Artikels 11 wird gar nicht erst gebraucht. Praktisch heißt das: Wallet-Zahlungen laufen auch über 50 Euro ohne PIN-Eingabe am Terminal durch. Für Händler ist das ein spürbarer Geschwindigkeitsvorteil und einer der Gründe, warum der Anteil mobiler Zahlungen im deutschen Einzelhandel 2025 auf 19,3 Prozent der unbaren Zahlungen gestiegen ist.

Was das Limit für SoftPOS bedeutet

SoftPOS-Lösungen akzeptieren ausschließlich kontaktlos. Damit ist die 50-Euro-Grenze für sie kein Randthema, sondern eine harte Funktionsanforderung: Ohne PIN-Eingabe auf dem Display — technisch PIN on Glass, sicherheitsseitig über den PCI-Standard MPoC geregelt — bricht jede Zahlung über 50 Euro und jede Zahlung nach Erreichen der kumulativen Grenze ab. Anbieter ohne PIN-Fähigkeit sind damit auf Kleinbeträge beschränkt. Wer Rechnungen über 50 Euro erwartet, sollte die PIN-Eingabe auf dem Display ausdrücklich als Auswahlkriterium behandeln und nicht voraussetzen, dass jede App sie beherrscht.

Beispiel aus der Praxis

Eine Kundin kauft in einem Münchner Kiosk vier Mal hintereinander kontaktlos ein — 4,20 Euro, 6,50 Euro, 3,80 Euro und 9,90 Euro. Beim fünften Einkauf über 2,50 Euro verlangt das Terminal plötzlich die PIN. Grund ist nicht der Betrag, sondern der Zähler aus Artikel 11: Nach fünf aufeinanderfolgenden kontaktlosen Zahlungen ohne Authentifizierung ist eine starke Kundenauthentifizierung fällig.

Abgrenzung — womit Kontaktlos-Limit verwechselt wird

Das Kontaktlos-Limit wird oft mit dem Verfügungsrahmen der Karte verwechselt. Der Verfügungsrahmen begrenzt, wie viel insgesamt ausgegeben werden kann; das Kontaktlos-Limit bestimmt nur, ab wann eine PIN nötig ist. Ebenfalls davon zu trennen ist ein Mindestbetrag, den ein Händler für Kartenzahlung festlegt — das ist eine privatrechtliche Entscheidung ohne Bezug zur PSD2.

Verwandte Begriffe

Recht & Regulierung

SCA

SCA ist die starke Kundenauthentifizierung nach PSD2: die Prüfung von mindestens zwei voneinander unabhängigen Elementen aus den K…

Recht & Regulierung

PSD2

PSD2 ist die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, förmlich die Richtlinie (EU) 2015/2366 vom 25. November 2015. Sie trat am 12. Ja…

Technik & Übertragung

NFC

NFC ist eine Funktechnik für sehr kurze Distanzen, die auf 13,56 Megahertz arbeitet und Daten nur über wenige Zentimeter überträgt…

Karten & Wallets

girocard

girocard ist das gemeinsame Debitkartensystem der deutschen Kreditwirtschaft. Die Karte ist direkt mit dem Girokonto verknüpft, je…

Technik & Übertragung

PIN on Glass

PIN on Glass bezeichnet die Eingabe der Karten-PIN auf dem Touchscreen eines handelsüblichen Smartphones oder Tablets statt auf ei…

Karten & Wallets

Apple Pay

Apple Pay ist der Bezahldienst von Apple, mit dem Kunden Kredit- und Debitkarten in der Wallet-App hinterlegen und kontaktlos per …

Häufige Fragen

Warum verlangt das Terminal die PIN, obwohl der Betrag unter 50 Euro liegt?

Weil zusätzlich zur Einzelbetragsgrenze kumulative Grenzen gelten. Nach Artikel 11 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 ist eine starke Kundenauthentifizierung fällig, sobald seit der letzten Authentifizierung 150 Euro oder fünf aufeinanderfolgende kontaktlose Zahlungen zusammengekommen sind. Der Zähler liegt bei der Karte beziehungsweise beim Kartenherausgeber, nicht beim Händler.

Kann ich als Händler das Kontaktlos-Limit ändern?

Nein. Die 50 Euro ergeben sich aus europäischem Recht, die kumulativen Grenzen ebenfalls. Weder Händler noch Zahlungsdienstleister können sie anheben. Was Sie beeinflussen können, ist die Frage, ob Ihr Verfahren die dann nötige PIN-Eingabe überhaupt beherrscht — bei SoftPOS ist das die Funktion PIN on Glass.

Gilt das 50-Euro-Limit auch für Apple Pay und Google Pay?

Praktisch nicht. Bei Wallet-Zahlungen hat die starke Kundenauthentifizierung bereits auf dem Gerät stattgefunden — durch Gerätebesitz plus Biometrie oder Gerätecode. Die Ausnahmeregelung des Artikels 11 wird deshalb nicht benötigt, und Zahlungen laufen auch über 50 Euro ohne PIN-Eingabe am Terminal durch.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „Kontaktlos-Limit". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/kontaktlos-limit/

Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.