deenfrespt
teilweise belegtZahlungskette & Beteiligte

Was ist Clearing?

Auch bekannt als: Verrechnung, Einreichung, Abrechnungslauf, Clearingprozess

Definition

Clearing ist der Verrechnungsschritt zwischen Autorisierung und Settlement: Der Händler reicht die abgeschlossenen Umsätze ein, der Acquirer übermittelt sie an das Kartensystem, dort werden die Forderungen zwischen Acquirer und Issuer gegeneinander aufgerechnet und Interchange sowie Scheme Fees zugeordnet. Beim Clearing fließt noch kein Geld — es entstehen nur die Salden, die anschließend im Settlement ausgeglichen werden.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 2 Kategorie: Zahlungskette & Beteiligte

Was im Clearing tatsächlich passiert

Nach Ladenschluss oder in festen Intervallen schließt das Terminal oder die SoftPOS-App den Kassenschnitt ab und übergibt die Sammlung aller freigegebenen Transaktionen an den Acquirer. Dieser bündelt sie zu einer Einreichungsdatei und übermittelt sie über das Kartensystem an die jeweiligen Issuer. Dabei wird jede Transaktion einer Interchange-Kategorie zugeordnet — abhängig von Kartenart, Land, Branche, Authentifizierungsmethode und Datenqualität. Fehlende oder fehlerhafte Daten führen zu einer teureren Einstufung oder zu Rückweisungen. Am Ende des Laufs steht für jedes Institutspaar ein Saldo: eine Nettoforderung des Acquirers gegen den Issuer oder umgekehrt.

Warum Netting den Zahlungsverkehr trägt

Ohne Verrechnung müsste jede einzelne Kartenzahlung als eigene Überweisung zwischen zwei Banken laufen. Beim Clearing werden stattdessen alle Transaktionen eines Zyklus saldiert, sodass am Ende nur ein Betrag je Institutspaar bewegt werden muss. Dasselbe Prinzip trägt auch den europäischen Massenzahlungsverkehr: Die Deutsche Bundesbank betreibt mit dem SEPA-Clearer ein Verfahren für SEPA-Überweisungen, SEPA-Basis- und Firmenlastschriften sowie SCC-Karteneinzüge, dessen Ergebnisse über T2 verrechnet werden. Netting senkt Liquiditätsbedarf und Kosten drastisch — und ist der Grund, warum eine Kartenzahlung nicht sofort auf dem Händlerkonto landet.

Wie das Clearing den Auszahlungszeitpunkt bestimmt

Für den Händler ist Clearing kein abstrakter Bankvorgang, sondern der Taktgeber der eigenen Liquidität. Reicht ein Betrieb erst am Wochenende ein, verschiebt sich alles Weitere. Verpasst er den Cut-off seines Acquirers um wenige Minuten, rutscht der komplette Tagesumsatz in den nächsten Zyklus. Übliche Praxis ist eine Gutschrift ein bis drei Bankarbeitstage nach der Zahlung, wobei der genaue Rhythmus im Acquiringvertrag steht — täglich, wöchentlich oder monatlich. Wer den Cut-off seines Anbieters kennt und den Kassenschnitt darauf ausrichtet, gewinnt ohne jede Verhandlung einen ganzen Tag Liquidität.

Wo im Clearing Fehler und Kosten entstehen

Transaktionen, die autorisiert, aber nie eingereicht wurden, werden nie bezahlt — ein klassischer Fehler bei Terminals, die den Tagesabschluss nicht ausgeführt haben, und bei SoftPOS-Apps, die zum Zeitpunkt der Einreichung offline waren. Umgekehrt können Umsätze, die nach Ablauf der Autorisierungsfrist eingereicht werden, vom Issuer zurückgewiesen werden. Auch Gutschriften und Stornos laufen über das Clearing und erscheinen deshalb erst mit Verzögerung. Die Abstimmung zwischen Kassenbuch, Clearingreport und Kontoauszug ist damit kein Formalismus, sondern die einzige Stelle, an der solche Lücken sichtbar werden.

Beispiel aus der Praxis

Ein Friseursalon in Graz macht am Freitag 640 Euro Kartenumsatz, schließt den Kassenschnitt aber erst am Samstagmorgen ab. Die Einreichung fällt damit in den Montagszyklus, das Settlement erfolgt am Dienstag. Bei Kassenschnitt noch am Freitagabend vor dem Cut-off wäre das Geld einen Bankarbeitstag früher auf dem Konto gewesen — ohne dass sich an den Gebühren etwas geändert hätte.

Abgrenzung — womit Clearing verwechselt wird

Clearing wird häufig mit Settlement in einem Atemzug genannt, ist aber der vorgelagerte, rein rechnerische Schritt: Erst wird ermittelt, wer wem was schuldet, dann wird gezahlt. Von der Autorisierung unterscheidet sich das Clearing dadurch, dass dort nur eine Freigabe erteilt wurde. Und mit der Auszahlung an den Händler ist Clearing schon gar nicht identisch — die erfolgt erst danach und abzüglich der Gebühren des Acquirers.

Verwandte Begriffe

Zahlungskette & Beteiligte

Autorisierung

Autorisierung ist der erste Schritt jeder Kartenzahlung: Die Anfrage läuft vom Terminal oder der SoftPOS-App über Acquirer und Kar…

Zahlungskette & Beteiligte

Settlement

Settlement ist der Schritt, in dem tatsächlich Geld fließt: Die im Clearing ermittelten Salden werden zwischen Issuer, Kartensyste…

Zahlungskette & Beteiligte

Acquirer

Ein Acquirer ist der Zahlungsdienstleister, der mit einem Händler den Kartenakzeptanzvertrag schließt, dessen Kartenumsätze bei Vi…

Zahlungskette & Beteiligte

Issuer

Ein Issuer ist das Institut, das eine Zahlungskarte an einen Kunden ausgibt, dessen Konto führt und bei jeder Kartenzahlung darübe…

Gebühren & Abrechnung

Interchange

Interchange ist der Teil der Kartengebühr, den der Acquirer des Händlers bei jeder Kartenzahlung an die kartenausgebende Bank abfü…

Gebühren & Abrechnung

Auszahlung

Die Auszahlung ist die Gutschrift der eingenommenen Kartenumsätze auf das Bankkonto des Händlers, abzüglich der Entgelte des Zahlu…

Häufige Fragen

Wie oft findet Clearing statt?

Bei Kartenzahlungen in der Regel täglich, gesteuert über einen festen Cut-off-Zeitpunkt des Acquirers. Was danach eingereicht wird, läuft im nächsten Zyklus. Manche Anbieter clearen mehrfach täglich, andere fassen mehrere Tage zusammen. Der konkrete Rhythmus steht im Acquiringvertrag und wirkt sich direkt auf den Zeitpunkt der Gutschrift aus.

Kann eine autorisierte Zahlung im Clearing noch verloren gehen?

Ja. Wird der Umsatz nie eingereicht — etwa weil das Terminal keinen Tagesabschluss ausgeführt hat oder die App den Kassenschnitt nicht übertragen konnte —, entsteht keine Forderung und es fließt kein Geld. Ebenso können verspätet eingereichte Umsätze nach Ablauf der Autorisierungsfrist zurückgewiesen werden. Regelmäßige Abstimmung deckt das auf.

Warum stimmt mein Kassenumsatz nicht mit der Gutschrift überein?

Drei Gründe dominieren: Der Acquirer zieht Gebühren vor der Auszahlung ab, Umsätze aus dem Clearingzyklus liegen zeitlich versetzt zum Kassentag, und Gutschriften, Stornos oder Rückbelastungen werden gegengerechnet. Der Clearingreport des Acquirers weist diese Posten einzeln aus und ist die richtige Grundlage für die Abstimmung, nicht der Kontoauszug.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „Clearing". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/clearing/

Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.