Interchange++
Interchange++ ist ein Abrechnungsmodell, bei dem der Acquirer die Händlergebühr in drei getrennt ausgewiesene Bestandteile zerlegt…
Auch bekannt als: Pauschalrate, Mischsatz, Einheitsgebühr, Flat Rate, gebündelte Abrechnung
Eine Blended Rate ist ein einheitlicher Prozentsatz, den der Zahlungsdienstleister für jede Kartenzahlung berechnet, unabhängig davon, ob eine girocard, eine Firmenkreditkarte oder eine Karte aus einem Nicht-EWR-Land genutzt wurde. Interbankenentgelt, Scheme Fee und Acquirer-Marge sind darin verschmolzen und werden nicht getrennt ausgewiesen. Fast alle SoftPOS-Anbieter im Kleinkundensegment rechnen so ab.
Eine Blended Rate ist verständlich, planbar und vertriebstauglich: „1,69 Prozent, sonst nichts“ lässt sich in einem Satz erklären, „Interchange plus Scheme Fee plus 0,25 Prozent plus 4 Cent“ nicht. Für Kleinstbetriebe hat das echten Wert, weil die monatliche Belastung vorhersehbar bleibt und keine Kartenmix-Analyse nötig ist. Der Preis dafür ist eine Risikoprämie: Der Anbieter kalkuliert die teuersten Kartenarten ein, die im Bestand vorkommen können, und behält die Differenz, wenn sie ausbleiben. Von 121 in der SoftPOS24-Anbieterdatenbank erfassten Anbietern veröffentlichen nur 36 überhaupt einen bezifferten Prozentsatz — und wo einer genannt wird, ist er fast immer eine Blended Rate.
Ein Ladengeschäft macht 10.000 Euro Kartenumsatz im Monat, verteilt auf 6.000 Euro EWR-Verbraucher-Debitkarten, 2.500 Euro EWR-Verbraucher-Kreditkarten, 1.000 Euro Firmenkarten und 500 Euro Nicht-EWR-Karten am Terminal. Bei einer Blended Rate von 1,69 Prozent zahlt der Händler 169,00 Euro. Der Interchange-Anteil daran beträgt nach den veröffentlichten Sätzen 12,00 Euro (0,2 Prozent), 7,50 Euro (0,3 Prozent), 18,50 Euro (Visa Business Debit, 1,85 Prozent) und 1,50 Euro (0,3 Prozent Präsenz, Nicht-EWR) — zusammen 39,50 Euro. Die verbleibenden 129,50 Euro entfallen auf Scheme Fees und Acquirer-Marge, ohne dass die Abrechnung offenlegt, in welchem Verhältnis.
Die Pauschale gewinnt dort, wo der Kartenmix teuer ist. Ein Konferenzhotel mit 40 Prozent Firmenkarten und internationalem Gästeanteil zahlt unter Interchange++ die tatsächlichen Sätze und damit deutlich mehr als ein Bäcker mit reinem girocard-Aufkommen. Bei einer Pauschale trägt der Acquirer dieses Mischungsrisiko. Sichtbar wird das an Preismodellen, die den Risikoausgleich offen aufschlagen statt einzupreisen: Nexi berechnet in der Schweiz 1,49 Prozent plus 2 Rappen und erhebt zusätzlich 1,30 Prozentpunkte Aufschlag auf Firmen- und Auslandskarten. Das ist formal eine Pauschale, praktisch ein Zwischenmodell — und ehrlicher als eine Rate, die den Aufschlag stillschweigend enthält.
Der genannte Prozentsatz ist selten der Endpreis. Zu prüfen sind vier Punkte: ob ein Festbetrag je Transaktion hinzukommt, ob Firmen- und Auslandskarten aufgeschlagen werden, ob eine monatliche Grundgebühr anfällt und ob der Satz eine befristete Aktionsrate ist. Die Spannweite belegter Werte im Portalbestand reicht von 0,89 Prozent (Sparkasse POS, PAYONE) über 1,69 Prozent (Viva.com), 2,50 Prozent (Clover) und 2,60 Prozent (Square) bis 2,90 Prozent (Mollie) und 2,99 Prozent (Mercado Pago). Zwischen dem günstigsten und dem teuersten belegten deutschen Angebot liegt damit mehr als der Faktor drei — bei identischer Leistung an der Kasse.
Bei 10.000 Euro Monatsumsatz und dem oben beschriebenen Kartenmix kostet eine Blended Rate von 1,69 Prozent 169,00 Euro. Das nach veröffentlichten Sätzen berechnete Interbankenentgelt beträgt zusammen 39,50 Euro. Der Rest von 129,50 Euro verteilt sich auf Scheme Fees und Acquirer-Marge. Ein Wechsel auf 0,89 Prozent bei gleichem Mix senkt die Belastung auf 89,00 Euro — eine Ersparnis von 960 Euro im Jahr.
Eine Blended Rate ist nicht dasselbe wie eine niedrige Rate. Sie ist ein Abrechnungsverfahren, kein Preisniveau: 0,89 Prozent und 2,99 Prozent sind beides Blended Rates. Verwechselt wird sie außerdem mit Interchange+, wo immerhin das Interbankenentgelt getrennt ausgewiesen wird. Und sie ist kein Alles-inklusive-Preis — Grundgebühr, Festbetrag je Transaktion, Aufschläge auf Firmenkarten und Auszahlungsgebühren können zusätzlich anfallen.
Interchange++ ist ein Abrechnungsmodell, bei dem der Acquirer die Händlergebühr in drei getrennt ausgewiesene Bestandteile zerlegt…
Interchange ist der Teil der Kartengebühr, den der Acquirer des Händlers bei jeder Kartenzahlung an die kartenausgebende Bank abfü…
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Das Disagio ist der prozentuale Abschlag, den der Acquirer vom Kartenumsatz einbehält, bevor er dem Händler gutschreibt. Es umfass…
Nein, sie ist ein zulässiges und für Kleinstbetriebe oft sinnvolles Modell. Problematisch wird sie erst, wenn der Anbieter sie als vollständigen Preis darstellt, obwohl Festbeträge je Transaktion, Grundgebühren oder Aufschläge auf Firmen- und Auslandskarten hinzukommen. Artikel 9 der Verordnung (EU) 2015/751 sieht die Bündelung ohnehin nur als Ausnahme auf schriftliches Verlangen des Händlers vor.
Eine feste Schwelle gibt es nicht, weil sie vom Kartenmix abhängt. Der Wechsel lohnt tendenziell dort, wo überwiegend gedeckelte europäische Verbraucherkarten kassiert werden — dann trägt der Händler unter der Pauschale eine Risikoprämie für Karten, die er selten sieht. Praktisch verlangen die meisten Acquirer für entbündelte Modelle ein bestimmtes Umsatzvolumen; danach sollte man vor Vertragsschluss fragen.
Weil der beworbene Satz häufig eine „ab“-Rate ist: der günstigste Fall, meist eine kontaktlose Präsenzzahlung mit einer europäischen Verbraucher-Debitkarte. Firmenkarten, Karten aus Nicht-EWR-Ländern und Fernabsatzzahlungen können teurer abgerechnet werden. Prüfen Sie im Preisblatt, für welche Kartenarten der Satz gilt und ob es sich um eine befristete Aktionsrate handelt.
SoftPOS24 Payment-Research: „Blended Rate". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/blended-rate/Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.