deenfrespt
Quellen geprüftGebühren & Abrechnung

Was ist Interchange++?

Auch bekannt als: IC++, IC+ +, Interchange Plus Plus, entbündelte Abrechnung, Unblending

Definition

Interchange++ ist ein Abrechnungsmodell, bei dem der Acquirer die Händlergebühr in drei getrennt ausgewiesene Bestandteile zerlegt: das Interbankenentgelt an die kartenausgebende Bank, die Scheme Fee an Visa oder Mastercard und die eigene Marge. Der Händler sieht damit je Transaktion, welcher Anteil weitergereicht wird und welcher beim Acquirer bleibt. Artikel 9 der Verordnung (EU) 2015/751 verpflichtet Acquirer, eine solche aufgeschlüsselte Abrechnung anzubieten.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 2 Kategorie: Gebühren & Abrechnung

Wie Interchange++ abrechnet

Die beiden Pluszeichen stehen für die beiden Kostenblöcke, die auf das Interbankenentgelt aufgeschlagen werden. Der erste Block ist die Scheme Fee, also das Entgelt des Kartensystems für Autorisierung, Clearing und Markennutzung. Der zweite ist die Acquirer-Marge, der einzige Teil, der tatsächlich verhandelbar ist. Ein Angebot lautet dann etwa „Interchange + Scheme Fee + 0,25 Prozent zuzüglich 4 Cent je Transaktion“. Weil Interchange und Scheme Fee als Durchleitungsposten behandelt werden, ändert sich die monatliche Rechnung mit dem Kartenmix: Ein Monat mit vielen Firmenkarten kostet mehr als ein Monat mit überwiegend girocard-Zahlungen. Diese Schwankung ist kein Fehler, sondern die Abbildung der tatsächlichen Kostenstruktur.

Der gesetzliche Anspruch auf Entbündelung

Artikel 9 der Verordnung (EU) 2015/751 verlangt, dass Acquirer ihren Händlern individuell aufgeschlüsselte Entgelte für die verschiedenen Kartenkategorien und Kartenmarken anbieten. Eine Pauschalabrechnung ist nur zulässig, wenn der Händler sie schriftlich verlangt. Die Vorschrift gilt seit dem 9. Juni 2016. In der Praxis wird dieser Anspruch selten eingelöst, weil kaum ein Kleinbetrieb ihn kennt — die Anbieterseite bietet ihn defensiv an, statt ihn aktiv zu bewerben. Wer ihn geltend macht, erhält belastbare Zahlen für einen Anbietervergleich. Ergänzend verpflichtet Artikel 12 den Acquirer, dem Händler je Transaktion die Höhe des Händlerentgelts, des Interbankenentgelts und der Scheme Fee mitzuteilen.

Für wen sich Interchange++ rechnet

Interchange++ ist unterlegen, wenn die Kartenmischung stabil und günstig ist und der administrative Aufwand ins Gewicht fällt. Ein Bäcker mit fast ausschließlich girocard- und Debitkartenzahlungen fährt mit einem niedrigen Pauschalsatz oft einfacher und nicht teurer. Der Vorteil kippt, sobald ungünstige Karten selten sind: Wer 95 Prozent gedeckelte Verbraucherkarten annimmt, zahlt bei einer Pauschalrate den Aufschlag für Firmen- und Auslandskarten mit, die er kaum sieht. Umgekehrt profitiert ein Hotel mit hohem Firmenkartenanteil von der Pauschale, weil der Acquirer dort das Mischungsrisiko trägt. Die Entscheidung ist deshalb keine Grundsatzfrage, sondern eine Rechnung mit dem eigenen Kartenmix.

IC+ und IC++ im Unterschied

Bei Interchange+ wird nur das Interbankenentgelt durchgereicht; Scheme Fee und Acquirer-Marge bleiben zu einem einzigen Aufschlag verschmolzen. Das ist transparenter als eine Blended Rate, verbirgt aber weiterhin, wie viel das Kartensystem und wie viel der Acquirer nimmt. Genau dort liegt die relevante Bewegung: Die EU-Kommissionsstudie zur Anwendung der Verordnung schätzte den jährlichen Anstieg der Acquirer-Scheme-Fees zwischen 2015 und 2017 auf rund 280 Millionen Euro. Wer nur IC+ vereinbart, kann steigende Scheme Fees nicht von einer stillen Margenerhöhung des Acquirers unterscheiden. IC++ trennt beides und macht Preiserhöhungen zurechenbar.

Beispiel aus der Praxis

Ein Onlineshop mit 80.000 Euro Kartenumsatz im Monat wechselt von 1,40 Prozent Pauschale auf Interchange++. Die Pauschale kostete 1.120 Euro. Nach Umstellung weist die Abrechnung 0,31 Prozent Interchange (248 Euro), 0,19 Prozent Scheme Fees (152 Euro) und 0,25 Prozent Acquirer-Marge plus 4 Cent je Transaktion aus. Bei 2.000 Transaktionen sind das 200 Euro plus 80 Euro — zusammen 680 Euro.

Abgrenzung — womit Interchange++ verwechselt wird

Interchange++ wird mit Interchange+ verwechselt. Bei IC+ wird nur das Interbankenentgelt durchgereicht, Scheme Fee und Acquirer-Marge bleiben zusammengefasst. Auch die Verwechslung mit der Blended Rate ist häufig: Dort ist alles zu einem einzigen Satz verschmolzen, unabhängig von der tatsächlich genutzten Karte. IC++ ist kein Rabattmodell — es senkt keine Kosten, sondern macht sie sichtbar und damit verhandelbar.

Verwandte Begriffe

Gebühren & Abrechnung

Interchange

Interchange ist der Teil der Kartengebühr, den der Acquirer des Händlers bei jeder Kartenzahlung an die kartenausgebende Bank abfü…

Gebühren & Abrechnung

Blended Rate

Eine Blended Rate ist ein einheitlicher Prozentsatz, den der Zahlungsdienstleister für jede Kartenzahlung berechnet, unabhängig da…

Gebühren & Abrechnung

Scheme Fee

Scheme Fees sind die Entgelte, die Visa, Mastercard und andere Kartensysteme von Acquirern und kartenausgebenden Banken für Autori…

Gebühren & Abrechnung

Merchant Discount Rate

Die Merchant Discount Rate ist der Gesamtsatz, den ein Händler seinem Acquirer für die Annahme von Kartenzahlungen zahlt. Sie setz…

Zahlungskette & Beteiligte

Acquirer

Ein Acquirer ist der Zahlungsdienstleister, der mit einem Händler den Kartenakzeptanzvertrag schließt, dessen Kartenumsätze bei Vi…

Recht & Regulierung

MIF-Verordnung

Die MIF-Verordnung ist die Verordnung (EU) 2015/751 vom 29. April 2015. Sie deckelt Interbankenentgelte für Verbraucherkarten im E…

Häufige Fragen

Kann ich Interchange++ von meinem Anbieter verlangen?

Artikel 9 der Verordnung (EU) 2015/751 verpflichtet Acquirer, aufgeschlüsselte Entgelte anzubieten. Ein durchsetzbarer Anspruch auf ein konkretes Preisniveau folgt daraus nicht — nur auf die Aufschlüsselung. Viele Anbieter im Kleinkundensegment koppeln Interchange++ faktisch an Mindestumsätze oder an ein Vertriebsteam für Geschäftskunden. Fragen Sie danach vor Vertragsschluss, nicht danach.

Ist Interchange++ immer günstiger als eine Pauschale?

Nein. Der Vorteil hängt vom Kartenmix ab. Wer überwiegend gedeckelte europäische Verbraucherkarten annimmt, spart mit IC++ häufig, weil er den einkalkulierten Aufschlag für Firmen- und Auslandskarten nicht mehr mitträgt. Wer viele Firmenkarten oder Nicht-EWR-Karten sieht, kann mit einer Pauschale besser fahren, weil der Acquirer dort das Mischungsrisiko übernimmt.

Warum schwankt meine Rechnung bei Interchange++ von Monat zu Monat?

Weil Interchange und Scheme Fee als Durchleitungsposten je nach tatsächlich genutzter Karte unterschiedlich hoch ausfallen. Ein Monat mit vielen Firmenkarten oder Karten aus Nicht-EWR-Ländern kostet mehr als ein Monat mit überwiegend girocard-Zahlungen. Nur die Acquirer-Marge bleibt konstant. Die Schwankung ist damit ein Abbild des Kundenverhaltens, kein Abrechnungsfehler.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „Interchange++". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/interchange-plus-plus/

Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.