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Was ist Kartensystem?

Auch bekannt als: Card Scheme, Kartenzahlverfahren, Zahlungssystem, Scheme

Definition

Ein Kartensystem ist das Regelwerk und Netzwerk, nach dem Kartenzahlungen abgewickelt werden — Visa, Mastercard, girocard, American Express, Diners Club oder JCB. Die Verordnung (EU) 2015/751 definiert es als einheitliches Regelwerk aus Vorschriften, Praktiken, Standards und Leitlinien für die Ausführung kartengebundener Zahlungsvorgänge. Das Kartensystem führt selbst keine Zahlung aus, sondern lizenziert Banken, setzt Regeln und betreibt die Infrastruktur.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 3 Kategorie: Zahlungskette & Beteiligte

Was ein Kartensystem regelt und was nicht

Ein Kartensystem legt fest, wie eine Karte aussieht, welche Daten sie enthält, wie eine Autorisierungsnachricht aufgebaut ist, welche Sicherheitsstandards gelten, welche Fristen im Streitfall laufen und wer bei einem Betrugsfall haftet. Es betreibt dafür ein weltweites Netz, über das Autorisierung, Clearing und Settlement laufen. Es hat aber weder Kunden noch Händler als Vertragspartner: Karten geben lizenzierte Issuer aus, Händlerverträge schließen lizenzierte Acquirer. Sein Geld verdient das Kartensystem über Scheme Fees, die es Issuern und Acquirern berechnet — nicht über das Interchange-Entgelt, das zwischen den beiden Instituten fließt.

Vier- und Drei-Parteien-Systeme

Kartensysteme zerfallen in zwei Bauformen. Im Vier-Parteien-System sind Emittent und Acquirer verschiedene Unternehmen; das Kartensystem tritt als Regelgeber dazwischen. So arbeiten Visa, Mastercard und die girocard. Im Drei-Parteien-System übernimmt ein einziges Unternehmen beide Rollen — das klassische Modell von American Express und Diners Club. Der Unterschied ist nicht akademisch: Von ihm hängt ab, ob die Interchange-Obergrenzen der Verordnung (EU) 2015/751 gelten und ob ein Händler ein Zusatzentgelt für die Kartenzahlung verlangen darf. § 270a BGB knüpft genau an diese Unterscheidung an.

Die Kartensysteme im deutschen Markt

Deutschland ist ein girocard-Markt. Die EHI-Studie 2026 weist für das Bezugsjahr 2025 einen Kartenanteil von 65,1 Prozent am Einzelhandelsumsatz aus; davon entfielen 40,5 Prozentpunkte auf die girocard, 9,4 auf internationale Debitkarten und 8,2 auf Kreditkarten. Bargeld kam auf 32,3 Prozent. Die girocard selbst verzeichnete 2025 rund 8,3 Milliarden Transaktionen über etwa 308 Milliarden Euro bei rund 100 Millionen ausgegebenen Karten. Für Händler bedeutet diese Verteilung, dass eine Zahlungslösung ohne girocard-Akzeptanz in Deutschland einen erheblichen Teil des Umsatzes nicht bedienen kann.

Warum Kartensysteme für SoftPOS entscheidend sind

Jede SoftPOS-Lösung muss für jedes Kartensystem einzeln zugelassen werden, das sie akzeptieren will. Visa und Mastercard haben eigene Programme für Tap to Phone, die girocard verlangt zusätzlich die Zulassungslogik der Deutschen Kreditwirtschaft. Genau daran scheitert im deutschen Markt die Mehrheit der Anbieter: Nach der SoftPOS24-Anbieterdatenbank akzeptieren nur 13 von 105 händlergerichteten Anbietern die girocard, während Visa- und Mastercard-Akzeptanz nahezu durchgängig vorhanden ist. Wer eine SoftPOS-App vergleicht, sollte die Liste akzeptierter Kartensysteme daher vor jeder Preisdiskussion prüfen: Ein um Zehntelprozentpunkte günstigerer Satz nützt nichts, wenn das im eigenen Betrieb meistgenutzte Kartensystem gar nicht unterstützt wird.

Beispiel aus der Praxis

Ein Kiosk in Berlin akzeptiert über eine SoftPOS-App Visa, Mastercard, Apple Pay und Google Pay, aber keine girocard. Bei einem Tagesumsatz von 900 Euro entfällt nach den EHI-Anteilen für 2025 der größte Kartenblock auf die girocard — der Betreiber muss diese Zahlungen entweder in bar abwickeln oder ablehnen. Erst ein girocard-fähiger Anbieter schließt diese Lücke.

Abgrenzung — womit Kartensystem verwechselt wird

Das Kartensystem ist nicht der Acquirer und nicht der Issuer. Visa und Mastercard führen keine Konten, geben keine Karten aus und schließen keine Händlerverträge — sie schreiben die Regeln und betreiben das Netz. Auch mit Wallets wie Apple Pay oder Google Pay ist das Kartensystem nicht identisch: Diese sind eine Hülle, in der eine tokenisierte Visa-, Mastercard- oder girocard-Karte steckt. Bezahlt wird immer über das Kartensystem dahinter.

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Häufige Fragen

Ist die girocard ein eigenes Kartensystem?

Ja. Die girocard ist das Debitkartensystem der deutschen Kreditwirtschaft mit eigenen Regeln, eigenem Autorisierungsnetz und eigenem Zulassungsverfahren. Weil sie nur in Deutschland funktioniert, tragen viele Karten zusätzlich ein internationales Zahlungssystem als zweite Marke — das nennt sich Co-Badging und entscheidet am Terminal darüber, über welches System die Zahlung läuft.

Verdient das Kartensystem am Interchange mit?

Nein. Das Interbankenentgelt fließt vom Acquirer zum Issuer, das Kartensystem ist daran nicht beteiligt. Es berechnet stattdessen Scheme Fees an Issuer und Acquirer — für Netzzugang, Lizenz, Autorisierung, Clearing und Zusatzdienste. In einer Interchange++-Abrechnung sind Interchange und Scheme Fee getrennt ausgewiesen, in einer Blended Rate nicht.

Welche Kartensysteme sollte ein Händler in Deutschland akzeptieren?

Die girocard deckt den größten Umsatzblock ab und ist für Betriebe mit überwiegend inländischer Kundschaft praktisch unverzichtbar. Visa und Mastercard sind für Touristen, Geschäftskunden und Onlinezahlungen nötig. American Express und Diners Club lohnen sich vor allem in Hotellerie, Gastronomie und im Geschäftsreisesegment, kosten aber typischerweise mehr.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „Kartensystem". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/kartensystem/

Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.