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Quellen geprüftGebühren & Abrechnung

Was ist Disagio?

Auch bekannt als: Händlerentgelt, Kartenumsatzprovision, Umsatzprovision, Abschlag

Definition

Das Disagio ist der prozentuale Abschlag, den der Acquirer vom Kartenumsatz einbehält, bevor er dem Händler gutschreibt. Es umfasst Interbankenentgelt, Scheme Fee und Acquirer-Marge und wird bei Kreditkarten meist höher angesetzt als bei Debitkarten. Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet Disagio dasselbe wie die international übliche Merchant Discount Rate.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-Research Geprüft: 2026-08-15 Quellen: 3 Kategorie: Gebühren & Abrechnung

Wie das Disagio abgezogen wird

Das Disagio ist keine Rechnung, die der Händler bezahlt, sondern ein Abzug vor der Gutschrift. Kassiert ein Betrieb 100 Euro und beträgt das Disagio 1,69 Prozent, erreichen ihn 98,31 Euro. Diese Netto-Auszahlung ist der Grund, warum viele Betriebe ihre Kartenkosten unterschätzen: Sie erscheinen nie als Ausgabe, sondern als Mindereinnahme. Für die Buchhaltung ist das relevant, weil der Bruttoumsatz und nicht der ausgezahlte Betrag den Erlös bildet; das Disagio ist Betriebsausgabe. Manche Anbieter rechnen stattdessen brutto aus und stellen das Entgelt monatlich gesondert in Rechnung — sachlich derselbe Vorgang, buchhalterisch übersichtlicher.

Warum Kreditkarten ein höheres Disagio haben

Der Unterschied bildet die Kostenstruktur ab. Für Verbraucher-Kreditkarten im EWR deckelt Artikel 4 der Verordnung (EU) 2015/751 das Interbankenentgelt auf 0,3 Prozent, für Verbraucher-Debitkarten Artikel 3 auf 0,2 Prozent. Ungedeckelt sind Firmenkarten und Karten aus Nicht-EWR-Ländern, und beide sind im Kreditkartenbereich häufiger. Die Bundesbank weist für den deutschen Einzelhandel Gesamtkosten von 1,00 Euro je Kreditkartenzahlung bei einem durchschnittlichen Bon von 42,61 Euro aus — 2,4 Prozent vom Umsatz. Die girocard kommt auf 0,60 Euro je Transaktion bei 79,94 Euro Durchschnittsbon, also 0,8 Prozent. Das ist der eigentliche Grund für getrennte Disagio-Sätze.

Disagio bei SoftPOS-Anbietern

Klassische Acquirer weisen häufig getrennte Sätze für girocard, Debit- und Kreditkarten aus. SoftPOS-Anbieter im Kleinkundensegment arbeiten überwiegend mit einem einzigen Satz für alle Karten. Die belegte Spannweite ist groß: 0,89 Prozent bei Sparkasse POS und PAYONE in Deutschland, 0,99 Prozent als Aktionsrate bei Nexi, 1,69 Prozent bei Viva.com, 2,50 Prozent bei Clover, 2,60 Prozent bei Square, 2,90 Prozent bei Mollie. In Brasilien liegen belegte Einstiegssätze bei 0,57 Prozent. Nur 36 von 121 erfassten Anbietern nennen überhaupt eine Zahl — bei den übrigen steht „auf Anfrage“, was einen Vergleich vor dem Vertriebsgespräch unmöglich macht.

Was neben dem Disagio noch anfällt

Das Disagio ist der sichtbarste, aber nicht der einzige Kostenblock. Hinzu kommen können ein Festbetrag je Transaktion, eine monatliche Grundgebühr, Terminalmiete oder Netzbetreiberentgelt bei Festterminals, Entgelte für Auszahlungen, Chargeback-Gebühren und Aufschläge für Firmen- und Auslandskarten. Wer nur Disagio-Sätze vergleicht, vergleicht deshalb selten die tatsächliche Belastung. Aussagekräftig ist die effektive Belastung: Gesamtkosten eines Monats geteilt durch den Kartenumsatz desselben Monats. Erst diese Kennzahl ist zwischen Anbietern vergleichbar und deckt auf, ob ein niedriges Disagio durch Fixkosten wieder aufgezehrt wird. Besonders tückisch sind Angebote mit niedrigem Prozentsatz und mehrjähriger Bindung: Im deutschen Markt sind Vertragslaufzeiten bis 48 Monate belegt, und Preisanpassungsklauseln können steigende Scheme Fees weiterreichen, ohne dass ein Sonderkündigungsrecht besteht.

Beispiel aus der Praxis

Ein Friseursalon setzt 6.000 Euro im Monat per Karte um, bei einem Disagio von 1,69 Prozent sind das 101,40 Euro. Nach einem Wechsel zu einem Anbieter mit 0,89 Prozent sinkt der Abzug auf 53,40 Euro — 48,00 Euro monatlich oder 576,00 Euro im Jahr. Kommt beim günstigeren Anbieter allerdings eine Grundgebühr von 9,90 Euro monatlich hinzu, bleiben nur noch 38,10 Euro Ersparnis.

Abgrenzung — womit Disagio verwechselt wird

Disagio und Interchange werden häufig verwechselt. Das Interbankenentgelt ist nur ein Bestandteil des Disagios; hinzu kommen Scheme Fee und Acquirer-Marge. Auch die Gleichsetzung mit dem Gesamtpreis führt in die Irre: Grundgebühr, Festbetrag je Transaktion und Terminalmiete stehen daneben. Vom Begriff aus der Kreditwirtschaft — dem Abschlag bei Darlehensauszahlung — ist das Karten-Disagio zu unterscheiden; gemeinsam ist beiden nur die Grundidee des Abzugs vom Nennbetrag.

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Häufige Fragen

Ist das Disagio steuerlich absetzbar?

Ja. Das Disagio ist eine Betriebsausgabe und mindert den Gewinn. Zu buchen ist der Bruttoumsatz als Erlös und das einbehaltene Entgelt gesondert als Aufwand — nicht der ausgezahlte Nettobetrag als Erlös. Die Umsatzsteuer bemisst sich am Bruttoumsatz. Acquirer stellen dafür in der Regel monatliche Abrechnungen bereit; steuerliche Einzelfragen klärt der Steuerberater.

Warum ist die girocard für Händler günstiger als eine Kreditkarte?

Weil die Kostenbestandteile niedriger sind und der Durchschnittsbon höher liegt. Die Bundesbank weist für 2023 Gesamtkosten von 0,60 Euro je girocard-Zahlung bei 79,94 Euro Durchschnittsbon aus, das sind 0,8 Prozent vom Umsatz. Bei Kreditkarten sind es 1,00 Euro bei 42,61 Euro Durchschnittsbon, also 2,4 Prozent. Der Unterschied ist damit dreifach.

Wie erkenne ich mein tatsächliches Disagio?

Teilen Sie die gesamten Kartenkosten eines Monats durch den Kartenumsatz desselben Monats. In die Kosten gehören auch Grundgebühr, Festbeträge je Transaktion, Terminalmiete und Auszahlungsentgelte. Der so berechnete effektive Satz weicht regelmäßig vom beworbenen ab und ist die einzige zwischen Anbietern vergleichbare Kennzahl.

Quellen

Diesen Eintrag zitieren
SoftPOS24 Payment-Research: „Disagio". In: SoftPOS24 Payment-Glossar, Stand 2026-08-15. https://www.softpos24.com/glossar/disagio/

Teil des SoftPOS24 Payment-Glossars mit 71 Fachbegriffen zu SoftPOS, Kartenzahlung und Zahlungsverkehr. Fehler entdeckt? Korrektur melden — wir prüfen jede Meldung.